Gründungskongress einer europäischen Juristinnenvereinigung
In Berlin fand vom 17. bis 19. März 2000 der Gründungskongress der europäischen Juristinnenvereinigung (European Woman Lawyer`s Congress) statt.
Hierbei handelt es sich um ein Projekt im Rahmen des mittelfristigen Aktionsprogramms der Gemeinschaft für die Chancengleichheit von Frauen und Männern (1996 - 2000). Der Kongress wurde von der europäischen Kommission und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
In der Federführung haben der Deutsche Juristinnenbund, das Woman Lawyer Forum (Großbritannien) und der Verein Österreichische Juristinnen sowie weitere 12 Mitgliedstaaten der EU mit finanzieller Unterstützung der Europäische Kommission und des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Projekt in Angriff genommen, einen europäischen Juristinnenverbund zu gründen.
Berühmtestes Mitglied der Gründungsgruppe ist Cherie Booth, die Ehefrau von Tony Blair und Rechtsanwältin in Großbritannien.
Die Ausrichtung des Gründungskongresses ist ein erster Schritt für eine dauerhafte Zusammenarbeit von engagierten Juristinnen aller Berufssparten in erster Linie aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die wesentlichen Ziele sind:
- Die Ausgrenzung und Diskriminierung von Juristinnen soll beendet werden und der Vormarsch von Frauen auch außerhalb des Bereiches der Anwältinnen und Richterinnen soll in allen Berufssparten gefördert werden.
- Es soll die Möglichkeit der Vernetzung von Frauen in Europa geschaffen werden, um in allen Mitgliedstaaten eine familienfreundliche Politik zu fördern.
- Ausdehnung der Arbeit auf die osteuropäischen Staaten.
Für das Projektleitungsteam zeichneten unter der Federführung von Frau Professor Dr. Ursula Nelles (Deutscher Juristinnenbund) Frau Magaret McCabe (Woman Lawyer Forum) und Mag. Dr. Anna Sporrer (Verein Österreichischer Juristinnen) verantwortlich.
Zur Entwicklung gemeinsamer wirksamer Strategien zur Durchsetzung des Rechts auf Chancengleichheit der Europäischen Union trafen sich daher am Freitag, den 17. März im Sorat Hotel Spree-Bogen in Berlin eine internationale Gruppe von Juristinnen aus den unterschiedlichsten Berufssparten.
So eröffneten Frau Prof. Nelles und Frau Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin als Bundesministerin der Justiz in Deutschland den Kongress mit den einschlägigen Grußworten.
Unter dem Thema "Was erwarten sich Gleichstellungsministerinnen von einer Europäischen Juristinnenvereinigung?" fand sodann das erste Panel unter Moderation von Karin Schubert, Ministerin der Justiz des Landes Sachsen Anhalt statt.
Anschließend fand eine Abarbeitung unterschiedlicher Themen unter verschiedenen Panels, wie zum Beispiel "Europäisches Arbeitsrecht und die Erwerbstätigkeit von Frauen", "Gewalt gegen Frauen" und "Europäische Institutionen- Strategien für mehr Einflussnahme" statt.
Auch unterschiedliche Workshops zu verschiedenen Themen, wie z. B. "Wie führe ich Klage vor dem Europäischen Gerichtshof" oder "UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau - CEDAW" oder "Sexuelle Belästigung" oder "Frauen in der Wissenschaft" oder Wirtschaftsmediation" wurden abgehalten. Der Gründungskongress gelangte zu großem Erfolg durch die engagierte Teilnahme aller Juristinnen der europäischen Gemeinschaft. So wurde nicht nur beschlossen, alle notwendigen Informationen zukünftig ins Internet zu stellen, sondern insbesondere auch für eine rege Beteiligung durch Mitgliederwerbung sorgen zu wollen.
Ich selbst halte es als Gründungsmitglied und zugelassene Rechtsanwältin in Berlin mit dem Schwerpunkt meiner Tätigkeit im nationalen und internationalen Arbeitsrecht für eine hervorragende Idee im Netzwerk und der Zusammenarbeit aller international tätigen Juristinnen zukünftig Gesetzesvorlagen zu erarbeiten und Gutachten auszutauschen. Gerade auch im Bereich des Arbeitsrechtes sind noch zahlreiche Rechtsfragen durch den Europäischen Gerichtshof in Zukunft zu klären. Aber auch Fragen der Förderung von Frauenprojekten sowie der Bezuschussung von Projekten erscheint als wesentlicher Themenkomplex. Hier gilt es insbesondere mehr Informationen an Frauen weitergeben zu können.
Dr. Jutta Glock
Rechtsanwältin Berlin
Die Verfasserin ist Gründungsmitglied der Europäischen Juristinnenvereinigung. Sie ist seit elf Jahren als Rechtsanwältin zugelassen und hat sich nicht nur im Rahmen ihrer verantwortlichen Tätigkeit als leitende Personalmanagerin in verschiedenen Bereichen des Arbeitsrechtes engagiert. Sie ist Mitglied im Deutschen Juristinnenbund und in der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft in Berlin. Sie engagiert sich auch für die Weitergabe von arbeitsrechtlichen Grundsatzthemen insbesondere im osteuropäischen Raum unter Einbeziehung der Akademie für europäisches Recht in Düsseldorf. In diesem Zusammenhang unter anderem auch als Dozentin (Professor asociat) für die Universität Oradea in Rumänien ist sie zur Unterstützung der osteuropäischen Staaten tätig. Die Verfasserin hat insbesondere Schwerpunktthemen der Scheinselbständigkeit, der geringfügigen Beschäftigung, der Telearbeit, der Frauenförderung und der Altersteilzeit weiter vorangetrieben. In diesem Zusammenhang hält sie auch Vorträge und Seminarreihen zu Themen des Individual- und Kollektiven Arbeitsrechtes für die Deutsche Gesellschaft für Personalführung.